Ich erkenne mich auf neueren Fotos nicht wieder. Jedesmal bin ich aufs Neue entsetzt, wie ich aussehe. Noch vor anderthalb Jahren war das anders, inzwischen sehe ich aus wie ein ganz anderer Mensch. Mein Blick ist stets erschreckt, misstrauisch, in die Ferne gerichtet, ich wirke verhärmt, mit tiefen Schatten unter den Augen, das Gesicht eine Hügellandschaft. Nichts Gutes mehr erwartend. Traurig. Enttäuscht.
Honigsaum
Mittwoch, 12. März 2025
Montag, 27. Januar 2025
Die Zukunft
Heute bin ich deprimiert aufgewacht. Ich sehe überall um mich herum Unerledigtes, Stapel von Sachen, die ich schon vor Monaten bei eBay einstellen wollte, zumal ich das Geld für den Urlaub gut gebrauchen könnte. Aber die nötige Anstrengung, das Fotografieren erscheint mir wie ein unüberwindbarer Berg, genauso wie das weitere Ausmisten in der Wohnung und im Hof, ja selbst die Kaffeeverabredung mit dem befreundeten Kollegen. Per E-Mail bekomme ich hausangebote zugeschickt, eins gefällt mir sogar, nur wird mir bei längerem nachdenken klar, dass es dazu nie kommen wird. Es ist wie in dem Song „Lucy Jordan“: „At the age of 37, she realized, she‘d Never Drive through Paris in a sportscar, with the warm Wind in her hair“. Fand ich früher immer schon schrecklich traurig, jetzt fühle ich mich selbst so, ich werde keinen Umzug in ein Haus mit Garten mehr schaffen, das bleibt ein unerfüllbarer Traum.
Ich weiß, ich muss für vieles dankbar sein, gerade erst hatte ich ein CT mit dem erfreulichen Ergebnis, dass nichts neues aufgetaucht ist, ich habe eine wunderbare Frau und einen tollen Hund, wir haben eine eigene Wohnung und genug Geld zum Leben.
Aber die Zukunft, das Pläne schmieden, die Vorfreude darauf, das ist mir abhanden gekommen.
Freitag, 22. November 2024
Schwerer Alltag
Meine Onkologin sagt, ich muss nur noch alle fünf Monate zum CT, da Therapie schlägt an, erfahrungsgemäß gehe es jetzt "einige Jahre " so weiter.
Das ist nach wie vor eine Riesenerleichterung, auch bei aller Ungewissheit und in Anbetracht der Gesamtsituation.
Letzte Woche bekam ich den neuen Bescheid von der Schwerbehindertenstelle, ich gelte jetzt als 100% schwerbehindert mit Merkzeichen G und darf kostenlos den Nahverkehr nutzen.
Auch das ist insofern positiv, als es mir finanzielle Vorteile bringt, aber es fühlt sich nicht gut an, eher etwas schockierend (gleichzeitig wundere ich mich fast, dass mich überhaupt noch etwas schockieren kann).
Ich hatte vor zwei Wochen drei Tage hohes Fieber, lag dann insgesamt zwei Wochen mehr oder weniger im Bett. Jetzt laufe ich wieder herum, bin aber kurzatmig und schaffe keine große Hunderunde. Das deprimiert mich, mein Krötlein ebenso, und auch das therapiebedingte rapide Altern mit dünnen Haaren, tiefen Augenringen, einem irgendwie eingefallenen, verhärmten Gesicht setzt mir zu. Schöne Anziehsachen, eine gute Frisörin und manchmal etwas Farbe im Gesicht helfen, aber nur solange, wie ich nicht versuche, ein Selfie mit oder ohne Hund zu machen. Der Anblick zieht mir jedesmal den Boden unter den Füßen weg, vor allem, wenn ich vorher im Bad noch dachte, heute sehe ich ganz okay aus. Ich bin doch in Wirklichkeit erst sechzig.