Sonntag, 5. April 2026

Leseerlebnisse

 Die letzten Tage habe ich verstärkt über gelesene Bücher und geschriebene Texte nachgedacht und die Wirkung, die sie auf mich hatten und haben.

Patricia Highsmith, die übrigens am gleichen Tag Geburtstag hat wie ich (in einem früheren Jahr), hat schon als Achtjährige in ihrem Elternhaus das Buch „The human mind“ des Psychiaters Karl Menninger entdeckt und war fasziniert von seiner Typologie psychischer Störungen. Ich kann mir das sehr gut vorstellen und war auch direkt angesteckt und habe ebenfalls angefangen, das Buch zu lesen. Es enthält viele Fallberichte, die exemplarisch zur Beschreibung einer Persönlichkeitsstörung dienen. Auf diese Weise wurde vielleicht der talentierte Mr. Ripley geboren.

Natürlich erinnere ich mich nicht an alle Bücher, die mich vielleicht geprägt haben, aber doch an einige aus meiner Kindheit, die ich wieder und wieder gelesen habe. Das waren „Wo die wilden Kerle wohnen“ von Maurice Sendak, „Die grüne Wolke“ von A.S. Neill, „Addie Pray/Paper Moon“ von Joe Brown, „Das Ei und Ich“ von Betty McDonald und noch viele mehr, die ich nicht ganz so oft gelesen habe. 

Im Erwachsenenleben habe ich keine Dauerbrenner solchen Ausmaßes, nur Bücher, die ich gern mehrmals lese, bestimmte Autor:innen, die ich besonders mag.

Es gibt auch Bücher, die ich nur „gezwungenermaßen“ für den Unterricht gelesen habe, die mir dann aber ganz überraschend ans Herz gewachsen sind, „Effi Briest“ war so ein Fall und „Irrungen, Wirrungen“ und manche Barockliteratur.

Diese Art Lesen, literarisches Lesen, unterscheidet sich grundsätzlich vom Lesen philosophischer und theoretischer Texte, von denen mir manche durch intensive Beschäftigung auch sehr nahe gekommen sind, wie Max Webers „Wirtschaft und Gesellschaft“, „Das Heilige“ von Rudolf Otto, „Höfische Kultur“ von Joachim Bumke, die gute alte „Metaphysik der Sitten“ und andere. Ich neige dazu zu sagen, dass ich an diesen Büchern eher die Gedanken faszinierend fand als die Worte (bei Kant trifft das auf jeden Fall zu), aber bei längeren Nachdenken stimmt das eigentlich nicht; ich kann Max Webers Konzepte nicht von seinen Worten trennen und „Das Heilige“ hätte mich vielleicht in anderen Worten gar nicht angesprochen. Die „Höfische Kultur“ ist eine tolle Geschichte voller Bumkeschem Humor, sonst hätte ich sie womöglich kaum in Erinnerung behalten.

All diese Bücher und viele ungenannte sind Teil meiner Identität. Auch bestimmte Filme, Serien, Musikstücke, Bilder sind Teile von mir geworden, das ist ein Thema für einen anderen Tag. Ich bin ein Netz, ein großes Gewebe aus diesen Teilen und sehr vielen weiteren wie Erlebnissen, Begegnungen, Beziehungen, Erfahrungen. Und dieses Gewebe wird zusammengehalten von meinen Gedanken, die ich mir über all das mache und es verändert sich immer wieder aufs Neue.

Mittwoch, 25. Februar 2026

Was am Vater gut war

 Mein Vater, der vor18 Jahren gestorben ist, war Alkoholiker, Kettenraucher und hatte eine narzisstische Persönlichkeitsschädigung. Sein Tod war eine Erleichterung für meine Mutter und mich.

Heute habe ich etwas über den neuen Tischtennisfilm „Marty Supreme“, an dem auch Timo Boll mitgewirkt hat, gelesen. Und mir ist etwas wieder eingefallen, das durch und durch positiv war in der Beziehung zu meinem Vater: Er hat mich ungefähr drei Jahre lang intensiv im Tischtennis trainiert, zuhause auf unserem Dachboden. Fast jeden Abend haben wir zwei Stunden gespielt. Er wollte damit nach eigener Aussage wieder eine Beziehung mit mir aufbauen. Das ist ihm gelungen, ich habe es mit Hingabe gemacht. Danach haben wir uns aufs Sofa geworfen, er hat die zweite Hälfte meiner Banane gegessen (ich habe immer nur eine halbe aufbekommen) und wir waren zufrieden und gut gelaunt.

Schöne Nebeneffekte dieser Zeit waren, dass ich im Verein zu spielen begann, an den Wochenenden zu Turnieren fuhr und meine Sportnote sich stark verbesserte.

Eine weitere positive gemeinsame Unternehmung war, dass wir über viele Jahre hinweg zusammen zu einer weiter entfernten Baumschule fuhren, um dort Eriken für den Laden zu holen, ein kleiner Ausflug, der gleichzeitig wichtig war, ich hatte eine Aufgabe und außerdem die Gelegenheit für ausführlichere Gespräche. In diese Reihe gehört auch das gemeinsame Pflanzen im Garten und bei Kunden.

Ein Silberstreif in der Erinnerung.


Samstag, 20. September 2025

Neuer Hund, neues Glück!

 Wir haben ziemlich spontan Familienzuwachs bekommen, ein sieben Monate altes Riesenbaby aus Griechenland.

Wahrscheinlich halten uns alle für bescheuert, aber wir sind- trotz Anfangsstress und Welpenerziehung - glücklich, und die beiden Hunde lieben sich.


Das Baby ist übrigens der hintere Hund.