Mittwoch, 10. Juni 2026

Lesen bei Regen

 Das Wetter ist ungewöhnlich kalt und regnerisch für Juni. Ich bin trotz warmer Hüllen und Socken froh darüber, denn es ist doch viel angenehmer als die Affenhitze der letzten Jahre. Die Zeit scheint auch langsamer zu vergehen, der Tag mehr Stunden zu haben, infolgedessen lese ich viel. Abends zum Einschlafen einen harmlosen Fantasyroman auf dem Kindle, tagsüber zurzeit - in kleinen Dosen, denn es ist keine ganz leichte Kost - „Die Philosophie der symbolischen Formen“ von Ernst Cassirer. Den habe ich über einen meiner krausen Gedankengänge entdeckt, der wiederum ausgelöst wurde von Jasmin Schreibers Artikel über den Wald, gefunden auf Mastodon, den ich überaus interessant fand und der bei mir viele Puzzleteile verbunden hat. Wie ich schließlich auf Cassirer kam, kann ich schon jetzt kaum noch nachvollziehen, es hatte aber etwas mit Religionsphilosophie und meinem Interesse daran zu tun.

Cassirer beschäftigt sich im ersten Band mit Sprache, im zweiten mit mythischem Denken und im dritten mit der Phänomenologie der Erkenntnis. Letzteres ist eigentlich nicht so meine Sache, ist mir aber dadurch, dass ich es unterrichten musste, näher gekommen und jetzt hoffentlich verständlich. Alle drei sind für Cassirer verschiedene symbolische Formen, die gleichwertig unser Erfahren der Welt vermitteln. Ohne philosophische Grundkenntnisse ist die Lektüre wahrscheinlich kaum zu verstehen, Cassirer setzt viel voraus und gibt keine Beispiele, ich schaffe auf einen Rutsch ungefähr viereinhalb Seiten. Ich empfinde das Lesen aber als sehr lohnenswert und auch inspirierend, ich freue mich sehr, nach längerer Zeit wieder etwas gefunden zu haben, das meine geistige Flamme anzündet. Ich fühle mich lebendig.

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