Die Wahl in Sachsen-Anhalt hat eine rechtsextreme Partei zur Mehrheit und wahrscheinlich an die Macht gebracht.
Ich bin erschüttert und trauere gemeinsam mit ostdeutschen Freundinnen aus dem Internet.
Gleichzeitig geht das Leben weiter, Gottseidank, und ich bin dankbar für meine Lieben und mein Leben und die Immuntherapie, die mir das ermöglicht.
Ich versuche jeden Tag auszuschöpfen, mich nicht zu überlasten, aber auch nicht übermäßig zu „schonen“ und mir dadurch viel Gutes zu nehmen. Ja, ich bin beeinträchtigt, aber ich kann trotzdem fast alles tun, was ich möchte und was mir wichtig ist, wenn auch nicht in dem Tempo oder Ausmaß wie gesunde Menschen.
„Ja, kleine Schnecke
besteige den Berg Fuji,
Aber langsam, langsam!“
(Issa)
Dieses Haiku habe ich durch das Qi Gong kennengelernt und es ist mittlerweile zu meinem Leitsatz geworden.
Für mich ist eine große Herausforderung durch die Erkrankung nicht nur die (durchaus traumatische) Erfahrung von Diagnose, Operationen, Bestrahlungen und Chemotherapie, sondern das Erlebnis, dass das bisherige Leben unwiderruflich vorbei ist, der Beruf, der Bekanntenkreis, der Alltag, das Gefühl einer weiten Zukunft, die Kraft, alles Mögliche an einem Tag und in großem Ausmaß schaffen zu können. Wenn ich etwas vorhabe, plane ich genau, wie komme ich hin, wie zurück, was kann ich heute körperlich bewältigen. Alle Verabredungen treffe ich unter Vorbehalt. Ich mache so wenige Termine wie möglich und nie mehr als einen am Tag. Ich siebe: was ist mir so wichtig, dass ich es heute machen will. Im Zweifelsfall ist es immer das Zusammensein mit meiner Frau und die Spaziergänge mit unseren Hunden.
Ich kämpfe um meine Selbstbestimmung. Das Ungleichgewicht in meiner Beziehung fordert mich, das betrifft alltägliche Lasten und Erledigungen genauso wie finanzielle Ungleichheit. Durch die Krankheit bin ich elf Jahre vor dem regulären Renteneintritt erwerbsunfähig und beziehe Erwerbsminderungsrente. Vorher hatte ich eine gute Position mit entsprechendem Verdienst. Auf der anderen Seite ist es eine große Erleichterung, nicht mehr arbeiten zu müssen, mich nicht mehr krank melden zu müssen, meine Tage selbst gestalten zu können (na ja, fast, denn natürlich trage ich Verantwortung für das Wohlergehen meiner Hunde, aber das habe ich mir ja selbst ausgesucht).
Die Fatigue ist weniger geworden, wenn nötig, schlafe ich zwei Stunden am Tag, aber es ist nicht mehr jeden Tag nötig. Nach der Infusion alle drei Wochen bin ich zwei bis drei Tage so müde, dass ich die meiste Zeit schlafe und nichts unternehmen kann. Ich habe eine Herzschwäche durch ein Krebsmedikament bekommen und habe dauerhaft eine Harnleiterschiene, die alle fünf Monate gewechselt wird. Ich bin 100% schwerbehindert mit Merkzeichen G.
Trotz alledem würde ich heute sagen, es geht mir gut. Ich lebe ein erfülltes Leben mit vielen Möglichkeiten. Aber langsam, langsam :)

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