Montag, 12. Juni 2023

Junisommer

 Der schwarze Tag neulich ging auch vorbei, es geht mir besser, die wunderschönen Junisommerabende am Rhein erfüllen mich mit Bildern und Düften und Wind auf meiner Haut. 

Im Hof sind neuerdings auch ein Eichelhäher (morgens um sieben) und ein Käuzchen (nachts), neben den üblichen Amseln, diversen Meisen, Grünfinken, Drosseln, Tauben und Buntspechten. Die Rotkehlchen lassen sich nicht mehr blicken seit dem Jungvogeldesaster. Ob Rotkehlchen wohl trauern? Vielleicht wenden sie sich einfach anderen Dingen zu, leben im Augenblick und für die unmittelbare Zukunft. 

Die Nächte sind wieder heiß, tropisch, wir werden unseren Sommervorhang für das Schlafzimmerfenster, bestehend aus einem grünen Bettlaken, aktivieren. 

Das Larachen frisst heute nicht, vielleicht ist es die Hitze. Noch zehn Tage bis zu den Sommerferien. 

Freitag, 9. Juni 2023

Ich wünschte...

 Mein Krebs ist nicht mehr heilbar. Mein Körper hat unter den Behandlungen gelitten und leidet noch. Meine Seele ist voller Trauer, Angst und Schmerz. Was ist zurzeit wichtiger,  den Blutdruck zu senken oder die Leberwerte? Wie schlimm ist es,  das Antihormon abzusetzen, um den Stoffwechsel nicht weiter zu belasten?  Magnesium hilft gegen die Muskelkrämpfe, Ingwer gegen die Übelkeit. Gegen den Krebs hilft nichts. 

Manchmal fühlt es sich nur an wie das Warten auf den nächsten Tumor. Ich weiß, dass ich das meiner psychischen Gesundheit und meiner Lebensqualität zuliebe stoppen muss, dieses Gefühl, diese Angst vor der Zukunft, von der doch niemand wissen kann, wie sie aussehen wird. Was zählt,  ist das Jetzt. Nur, wenn die Tränen fließen, ist gerade keine Zuversicht mehr da. Und meine Energie ist so begrenzt, dass ich die schönen Dinge oft nicht mehr schaffe und das macht mich fertig. 

Ich wünschte, ich könnte auf ein Wunder hoffen. 

Ich wünschte, ich könnte einfach die Zeit genießen, die ich habe. 

Ich wünschte, ich könnte mit meinem Krötlein steinalt werden, so, wie ich es immer gehofft und gedacht habe. 

Ich wünschte, meine Liebsten müssten dies nicht erleben. 

Samstag, 6. Mai 2023

Eine neue Zeit

 Am Donnerstag und Freitag habe ich mit der Immuntherapie begonnen, mit Sorge (wegen möglicher Nebenwirkungen) und Hoffnung (wegen neuer Chance). Nebenwirkungen sind bisher nicht aufgetreten, aber es ist eine Langzeittherapie, man weiß es  nicht. 

Eigentlich steht es fest, dass ich nicht mehr berufstätig sein kann und werde, trotzdem habe ich es noch nicht über mich gebracht, die Schulleitung zu informieren und mich um den Rentenantrag zu kümmern, ich schiebe es auf. 

Ich war in der alten Heimat, das Mütterlein besuchen, und wir waren offener zueinander als je zuvor. Auch vom Kröterich hatte ich bereits vorher als Gipfelpunkt eines Streits die größten Ängste erfahren. Es erleichtert und hat uns näher zusammengebracht. 



Mein liebes altes Terriermädchen hat die zweite Librelaspritze bekommen, sie hat noch schneller und besser gewirkt als die erste, ich bin sehr froh und dankbar darüber. 

Ansonsten bin ich mit meinem neuen Hollandrad gefahren und habe Dinge eingekauft und transportiert, ich habe meine eigene Wäsche gewaschen und getrocknet (zum ersten Mal seit ca. 30 Jahren), ich habe angefangen, mein Büro zu entrümpeln und neu zu gestalten. Vielleicht hat mein neues Leben ja schon begonnen, quasi ohne dass ich es bemerkt hätte.